Keane

Dalgarnoch Somwher Only We Know “Keane”
*02. April 2007 † 27. September 2010
Mein kleiner kanadischer Keane musste leider viel zu früh von mir gehen. Er verlor sein Leben, weil er an- bzw. überfahren wurde. Der Grund, wieso das genau passierte, ist bis heute nicht ersichtlich, denn auch ich war zu diesem Zeitpunkt unterwegs nach Hause, um ihn wieder einzufangen, da er meiner Nachbarin abhanden gekommen ist. Ich werde diesen schrecklichen Anblick meines toten Keane’s nie vergessen. Er lag einfach nur da, am Strassenrand. Diese Bilder werde ich nie vergessen. Es ist einfach nur grauenhaft.
Es het’s o niemer so richtig chöne gloube,
weder begriffe no irgendwie verstah.
Wie het dä da obe nume chöne erloube,
dass Du so früeh hesch müesse gah?
Mitte 2007 kam er in mein Leben, und obwohl es nicht schon kompliziert genug war: Keane machte es noch komplizierter. Er war von Anfang an ein sehr unsicherer Sheltie, der bei jeglichen Geräuschen in Panik geriet. Eine Bindung zu mir, bzw. generell zu Menschen, verschmähte er zu Beginn. Sein erstes halbe Jahr war alles andere als einfach. Wie oft habe ich aufgegeben, doch trotz allem hatte ich noch die Hoffnung, dass es sich irgendwann bessert. So lernte er kennen, dass Menschen etwas ganz tolles sind und man mit ihnen wirklich Spass haben kann. Doch wirkliche Angst hatte er vor Menschen nie, allerdings war es extrem schwierig ihn bei seinen Panikattacken beizustehen, wenn er dies nicht annahm. Der Kontakt zu Menschen wurde dann im Laufe des ersten Jahres wirklich besser und er orientierte sich mehr an mir. Für Keane war Terry jedoch immer der wichtigste Part in seinem Leben und über das war ich auch ganz glücklich, denn Terry hatte ihm auch einiges an Sicherheit geschenkt.
And if I should falter,
would you open your arms out to me?
We can make love not war,
and live in peace with our hearts
Ansonsten sass ich sehr oft mit ihm am Bahnhof, um ihm die Angst vor Zügen zu nehmen. Ich glaube, sein Futter hat er bis zu seinem halben Jahr zum grössten Teil dort bekommen. Irgendwann fand er die Züge zum Glück nicht mehr so unheimlich – mit dem beigebrachten Wort “Zügli” konnte er sich auch stets drauf einstellen, dass bald wieder solch ein Monster kommt. Dies hat enorm viel gebracht und irgendwann akzeptierte er Züge, auch wenn er es nie gern hatte. An unserer Bindung wurde natürlich viel gearbeitet und dabei half der Clicker extrem! Am Lernen hatte er immer grossen Spass, trotzdem er ein Spätzünder war, und auch die einfachsten Sachen erst nach einigen Wochen erst richtig verstand und beherrschte. Doch was er dann gelernt hat, sass obendrein felsenfest! Seine fünf Lieblings”tricks” Twist, Turn, Ween, Come und Lie führte er stets sofort und mit grosser Freude aus.
Weisst du eigentlich
was du tust für mich,
wenn du meine Lasten trägst
und dich mit meinen Feinden schlägst?
Was mir jedoch ehr fehlte war die Liebe, die er mir nie in dem Masse schenkte, wie ich es gern gehabt hätte. Es tat so weh und ich konnte es kaum akzeptieren. Ich trauerte gerade aus dem Grunde Ash sehr lange nach und war so unzufrieden mit Keane. Im Nachhinein betrachtet, war das natürlich völlig falsch Vergleiche zu ziehen, doch sein ganzes Wesen war absolut nicht “sheltiewürdig” – so doof es auch klingt. Er war halt etwas ganz Spezielles.
Mit rund 9 Monaten habe wir mit Agility begonnen – und das war auch sehr gut so! Es war unglaublich zu sehen, wie viel Spass er beim Agility hatte. Zwar war ihm seine Unsicherheit sehr oft im Weg, doch wenn es kein Agility gegeben hätte, wäre er nicht der Hund, der er mit rund 3 Jahren war. Dieser Sport hat ihm enorm viel Selbstbewusstsein geschenkt. Gut, im Agility lief es zu Beginn total klasse, doch als er richtig dabei war, war es kein Teamsport mehr. Keane fand “Egolity” – seine erfundene Sportart – einfach viel besser. Und ich verzweifelte wieder. Nichtmal im Agility, wo er so viel Spass dran hatte fanden wir zusammen.
Through the storm we reach the shore.
You give it all but I want more,
and I’m waiting for you
With or without you
I can’t live.
Auch im Alltag kam es immer zu Rückfällen, die mich einfach nur fertig machten. Besonders seine Panikattacken machten mir schwer zu schaffen. Womit er auch ein grosses Problem hatte: Brat-, Rauch, und Grillgerüche! Sobald er eine Zigarette roch oder in der Nähe eines Grills war, so geriet er grad in Höllenängsten und man konnte ihn kaum beruhigen. Es war einfach nur schlimm und keiner wusste woran es lag. Als ich im Internet wegen dem herum gelesen habe, bin ich immer wieder auf die Schilddrüse gestossen. Also habe ich alle Schilddrüsenwerte überprüfen lassen, doch die Werte waren laut mehreren Tierärzt okay. Ich drehte durch!
Unser Miteinander glich einem Flug durch Höhen und Tiefen. Manchmal waren die Tiefs so schlimm, dass ich mich dazu entschloss ihn herzugeben. Fast wäre er auch nach Österreich ausgewandert, doch da mich ein Grund daran hinderte, blieb er doch bei mir. Ich habe sehr viel von diesem Hund gelernt, auch wenn mir diese Einsicht erst sehr spät in den Sinn kommt. Ab dem zweiten Lebensjahr gab es immer mehr zu feiern, denn insbesondere im Alltag wurde er ein ganz netter Begleiter. Er machte alles mit ohne zu murren und sein Gehorsam war wirklich toll! Ich konnte mich diesbezüglich auf ihn verlassen. Zwar tat es mir im Herzen weh, wenn er manchmal schlotternd in seiner Tasche im Zug sass, doch ich musste drüber hinwegsehen, denn sonst regte ich mich nur auf und das spürte er erst recht noch dazu.
And I see no bravery,
no bravery in your eyes anymore.
Only sadness.
Was ich allerdings nie verstehen konnte, waren die Deckanfragen. Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass Keane so ist, trotzdem bekam ich regelmässig Anfragen. Doch für mich stand fest, dass er nie in die Zucht gehen wird! Sicher, es muss nicht sein, dass er sein Wesen weiter vererbt, doch wenn es der Fall gewesen wäre, dann hätte ich ein enorm schlechtes Gewissen den Welpen gegenüber gehabt. Schliesslich habe ich hautnah miterlebt, was es bedeutet, wenn ein Hund, der keinen Stress verträgt, in unserer Gesellschaft zurechtkommen muss.
Jedenfalls fanden wir in seinem dritten Lebensjahr endlich richtig zueinander! Man merkte dies vor allem im Agility, wo er plötzlich anfing richtig auf mich zu achten. Auch schlief er nachts nun so oft es ging im Bett, und forderte seine Kuscheleinheit immer öfters ein. An Spaziergängen lief er häufig an meiner Seite und himmelte mich an – etwas, was er in seinen ganz jungen Jahren nie gemacht hat! Da fand er das Rennen und Spielen mit anderen Hunden interessanter und nicht mich.
Ich warte schon so lange auf den einen Moment. Ich bin auf der Suche nach 100%.
Wann ist es endlich richtig? Wann macht es einen Sinn?
Ich will sagen: so soll es sein, so kann es bleiben.
So hab’ ich es mir gewünscht!
Und nun, wo ich diesen Text verfasst habe, mich an viele Situationen zurück erinnert habe… weine ich, weil er mir einfach fehlt und er so jung von uns allen gehen musste. Doch ich kann es nur immer wieder sagen: zum Glück ist er jetzt von mir gegangen, in unseren schönsten Momenten, als in unseren schlechtesten. Er hat einen grossen Platz in meinem Herzen, den niemand anderes einnehmen wird. Er bleibt und ist mein Kean’chen. Ein Sheltie, der ganz besonderen Sorte.
I always needed time on my own.
I never thought I’d need you there when I cry.
And the days feel like years when I’m alone.
And the bed where you lie is made up on your side.
I’ve never felt this way before.
Everything that I do reminds me of you.
I miss you.